AM MEER... 24.03.2020

AM MEER...

Und warum ich die Nordseeinsel Amrum so liebe…

Als Kind, ich war gerade 12 Jahre alt, fuhr ich mit meinen Eltern in den Sommerferien nach Amrum. Mein kleiner Bruder war oft krank, und so riet uns die Kinderärztin damals: fahren Sie doch mal an die Nordsee.

Warum es genau Amrum wurde, war Zufall, aber was für ein wunderbarer.

Leider fuhren wir direkt hinein in das schlechteste Wetter, das dieser Sommer und die Insel zu bieten hatte. Es regnete und stürmte tatsächlich die gesamten 3 Wochen, die wir uns damals in einer kleinen Frühstückspension eingemietet hatten. Ich erinnere mich noch gut an den peitschenden Wind, die Urgewalt des Meeres und das wahnsinnig laute Rauschen. Und an das Gefühl von Salz, Regen und Wind in meinem Gesicht.

Komischerweise fand ich es nicht schlimm. Auch dann noch nicht, als nach den Ferien viele meiner Mitschülerinnen von tropischen Temperaturen im Süden Europas mit allem was dazu gehört, erzählt haben.

Ich habe mich im Norden wohl gefühlt. Ich habe es geliebt.
Und da mein Bruder im darauffolgenden Herbst und Winter deutlich weniger krank wurde, mein Vater sich vom Berufsalltag und Stress so gut wie noch nie erholt hatte, buchten wir ein zweites Mal einen Aufenthalt im Sommer auf Amrum.
Nochmal konnte das Wetter ja auf keinen Fall wieder so schlecht werden.

So war es auch. Wir verlebten 3 wunderbare hochsommerliche Wochen am schönsten und breitesten Strand Europas (ist wirklich so).
Die Luft, die Sonne, das Meer und der Strand – es war ein Traum.

Und ist es bis heute für mich geblieben. Amrum ist auch im Frühling und Herbst reizvoll, wunderbar erholsam und entspannend.

Zu dieser Jahreszeit hat man den Strand fast für sich. Man kann kilometerweit in eine Richtung laufen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Was im Sommer auf dem Kniepsand barfuß wahnsinnig viel Spaß macht, geht jetzt wunderbar in meinen Gummistiefeln.

Das Meer riecht so wunderbar nach Salz, Algen und Sprühnebel, die Sonnenstrahlen sehen gigantisch aus, wenn man Glück hat, sieht man auch mal eine Robbe in der Einsamkeit.
Und was gibt es Schöneres, als nach einem langen Spaziergang durch Sturm, Regen und Gischt am Meer einzukehren, und bei einem gemütlichen Kaminfeuer eine „Tote Tante“ oder einen „Pharisäer“ zu schlürfen?!

Und da hatte schon damals unsere Kinderärztin recht:
Die Luft am Meer ist die beste Immuntherapie „ever“!
Auch für Allergiker und Asthmatiker ist die Luft an der Nordsee Gold wert.

Und so habe ich mich vor 14 Tagen aufgemacht, um im März ein paar Tage Amrumer Luft zu schnappen.
Außerdem musste ich dort noch ein Herzensprojekt in Augenschein nehmen und weiter voran bringen – mein kleiner 2. Wohnsitz hoch im Norden.

…und jetzt?!

Durch die Corona Krise kam alles ganz anders…

Ich hatte gerade das Wichtigste geregelt und meine kleine Wohnung angefangen gemütlich zu machen, ein paar Strandspaziergänge gemacht, da kam über Nacht die Nachricht, dass alle „Nicht-Insulaner“ die Insel
in den nächsten 24 Stunden zu verlassen hatten. Ich war geschockt…

Glücklicherweise konnte ich das Nötigste noch erledigen, meine Fähre für den nächsten Tag umbuchen und begann, wie die halbe Insel, hektisch zu packen.
Eine skurile, bizarre, bedrohliche und völlig ungewohnte Situation!

Andererseits wollte ich natürlich auch so schnell wie möglich zu meinen Lieben nach Hause – nach Frankfurt.

Ich habe es geschafft…bin wieder gut gelandet.
Und muss jetzt – wie alle! – in dieser schrecklichen Zeit versuchen, die Nerven zu behalten.
Mein Mann hat einen „systemrelevanten“ Job, arbeitet täglich bis zum Umfallen in seiner Apotheke, hofft, dass seine Mitarbeiterinnen und er gesund bleiben.
Mein Online-Shop erlaubt mir zwar zuhause zu bleiben, nur bei Bestellungen zur Post zu fahren…allerdings ist die Umsatzeinbuße schon jetzt beträchtlich.
Wer kauft Mode, wenn er zuhause im Home-Office in der Jogginghose arbeiten kann?!

Mein Sohn, der in der Nähe wohnt, fehlt mir.
Meine Eltern, meine Mutter ist schwer krank, meinen Bruder mit Familie kann ich nicht sehen.

Ich weiß, dass das alles vernünftig ist und das Beste für uns alle.
#stayhome

Aber, ich gebe zu: ich habe Angst!!!

Bleibt gesund…

Eure Bärbel